Lise Hansen und einer ihrer Geparden


Geparden in einem der grossen Schutzgehege


Ein Gepard muss in die Tierklinik.
 Lise Hansen bereitet eine Betäubungsspritze vor
.


Foto aus der Ansitzhütte: Leopard

Okonjima im Web

Die AfriCat-Foundation in Namibia setzt sich für das Überleben von Geparden und Leoparden ein.

Es gibt kaum einen schöneren Platz in Namibia als die unberührte Landschaft bei den Omboroko Bergen, zirka zweieinhalb Stunden nördlich von Windhoek. Kurz vor dem kleinen Ort Otivarango verläßt man die Hauptstraße und erreicht nach 24 Kilometern Fahrt über eine schmale Sandstraße Okonjima. Dort, auf der idyllisch gelegenen  Farm mitten im namibischen Busch, leben Lise und Wayne Hanssen. Früher wurden dort Rinder gezüchtet, heute kommen Reisende aus aller Welt nach Okonjima um ein ehrgeiziges Projekt kennenzulernen: AfriCat. Das Ziel der Bemühungen ist, bedrohte Großkatzen Namibias zu retten.

Bis zu 20 Gäste haben in Okonjima die Gelegenheit, Geparden und Leoparden aus nächster Nähe zu beobachten und sich über die Katzen, sowie die Arbeit von AfriCat zu informieren. Dem erstaunten Besucher präsentieren sich auf Okonjima auch die frei umherlaufende Warzenschweindame Mrs. Piggy und Elvis der Pavian.  Auf dem Bücherregal in der Lodge liegt oft malerisch einer der beiden afrikanischen Luchse, um Mittagsschlaf zu halten. Am frühen Nachmittag erscheinen jeden Tag pünktlich zum Kaffee die drei ausgewachsenen Geparden Chinga, Chui und Ceasar auf der Wiese vor der Lodge. Sie werden im Beisein der Besucher von Lise oder Donna Hanssen gefüttert und genießen ihre Streicheleinheiten. Die drei Katzen kamen ganz jung als Unfallopfer oder als Waise nach Okonjima. Kaum etwas ist besser als Werbung für die Erhaltung der bildschönen Katzen geeignet, als diese nachmittägliche Kaffeestunde. Alle Gäste sind fasziniert vom hautnahen Kontakt zu den Tieren.

Gemeinsam geht es später mit Lise oder Donna hinaus auf das Farmland, um mehr über die AfriCat-Projekte zu erfahren. Auch hier kann man Geparde und am nächsten Tag auch Leoparde aus nächster Nähe beobachten. Die Exkursionen enden mit einem spektakulären Sonnenuntergang und einem ”Sundowner” auf einem nahegelegenen Aussichtsberg. Nur etwa hundert Meter neben uns wuselt eine Gruppe Paviane über die Felsen. Ihre lauten Rufe hallen über die Buschebene zu unseren Füßen und werden dort von Artgenossen erwidert. In der einbrechenden Dunkelheit geht es mit dem Landrover zurück zur Farm. Die im Hausprospekt gemachte Versprechung, auf Okonjima würde man die unvergeßlichsten Stunden eines Namibia-Aufenthaltes erleben, ist nicht übertrieben.

AfriCat ist eine uneigennützige namibische Organisation. Sie beschäftigt sich mit verschiedenen Katzenarten, konzentriert sich aber in ihrer Arbeit auf die häufigsten Katzen im namibischen Distrikt Otivarango: Gepard und Leopard. Gegründet wurde die Stiftung im November 1992. Wayne, auf Okonjima aufgewachsen, lernte seine Frau Lise (29), eine gebürtige Kapstädterin, durch das gemeinsame Interesse an Katzen kennen. Beide haben deren Leben und Verhalten jahrelang studiert. Dadurch entwickelte sich langsam eine immer größere Liebe zu den gefleckten Schönheiten. Darüber hinaus war beiden klar, daß es nicht reicht die Katzen nur zu lieben. Sie wollten auch etwas für ihre Erhaltung tun. Denn Probleme sind überall dort vorprogrammiert, wo die Bedürfnisse von Wildtieren auf die natürlich berechtigten Interessen der Nutztierfarmer treffen. 95% der Geparden und Leoparden leben in Namibia auf dem Gebiet von 6000 Farmen. Nur die verbleibenden 5% befinden sich in geschützten Reservaten. Und wenn Leoparden und Geparden unter dem Vieh der Farmer größeren Schaden anrichten, werden sie eingefangen oder abgeschossen. Die auf den ersten Blick einfach erscheinende Lösung, die Raubkatzen zu töten, vergrößert die Probleme der Farmer jedoch schnell. Denn die unbesetzten Territorien werden sofort von neuen Katzen eingenommen. Hier setzt die Arbeit von AfriCat an. Mittlerweile hat sich die Stiftung durch ihren sensiblen Umgang mit dem Thema Raubtierschutz das Vertrauen der Farmer erworben. So werden heute gefangene Geparden und Leoparden nicht mehr sofort abgeschossen, sondern die Farmer bitten AfriCat zunehmend um Rat und Hilfe.

”Wir fahren sofort zu der betreffenden Farm und beurteilen die Situation. Es wird festgestellt, ob es sich tatsächlich um ein Problemtier handelt. Das Tier wird narkotisiert, um es zu untersuchen und zu kennzeichnen. Das Fleckenmuster wird fotografiert, denn es ist genauso einmalig für jede Katze wie der Fingerabdruck eines Menschen. Wenn die Katze in ausgezeichneter Kondition ist und kein Nutzvieh getötet hat, wird sie sofort freigelassen, damit sie ihr Territorium wieder besetzen kann. Ist das Tier in sehr schlechter Verfassug, wird es solange von AfriCat betreut, bis es wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Wenn wir annehmen müssen, daß das Tier nicht wieder frei leben kann, halten wir es in einem für diesen Zweck auf Okonjima gebauten großen Gehege. ”Problemtiere” werden nicht auf Farmland entlassen. Es wird durch genaue Beobachtungen festgestellt, warum der Farmer auf der betreffenden Farm Nutztiere durch Raubtiere verliert. Von diesem Zeitpunkt an wird der Farmer Teil des AfriCat Projektes, wir helfen ihm und er kann uns jederzeit um Rat fragen”, erzählt mir Lise Hanssen. Alle anfallenden Kosten werden von der AfriCat-Stiftung getragen.

Mittel- und langfristig sollen die Farmer von AfriCat Methoden angeboten bekommen, die ihnen helfen, Verluste durch Raubkatzen zu minimieren. Außerdem will man auch neue und kostengünstige Lösungen zum Schutz von Nutzvieh entwickeln. Weitere wichtige Aspekte der Stiftungsarbeit sind Bildung und Forschung. Die Öffentlichkeit, insbesondere die junge Generation, muß über die Bedeutung und Nützlichkeit der Raubkatzen informiert werden. Im Jahr 1998 wurde zu diesem Zweck in Okonjima ein neu errichtetes Bildungszentrum eröffnet. In dem überwiegend durch Mittel der WSPA (World Society for the Protection of Animals) finanzierten Zentrum können in Schulungen alle für den Raubtierschutz und die Nutztierhaltung wichtigen Themen behandelt und an Farmer, Kinder und die namibische Öffentlichkeit vermittelt werden. Das Ziel von AfriCat ist, den Lebensraum der faszinierenden Großkatzen durch ein geschicktes Management zu erhalten und dadurch ihren Fortbestand zu sichern. Da Geparden und Leoparden eine große Anziehungskraft auf uns Menschen ausüben, kann man dieses Interesse für Touristenbesuche bei den Katzen nutzen. Und wer einmal auf Okonjima war und die ehrgeizigen Projekte und die schönen Katzen hautnah erlebte, wird von der Notwendigkeit der Schutzbemühungen schnell überzeugt sein.
Christoph Becker


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Shirárch 21.09.2002