Poesie   Prosa   Geistliches ;-)

Prosa - die Kunst, Geschichten zu erzaehlen

  • Traurige Liebe
    Eine Geschichte, die aus einer wahren Begebenheit und meiner tiefen Zuneigung zu einer alten Freundin resultierte.


  • Curan's Einsamkeit
    Die Figur stammt aus dem Roman "Metamorphosis" von Bernhard Möller. Die Geschichte war eine von mir erdachte mögliche Fortsetzung. Ich schrieb sie, als ich einen Auszug des Romans zur Fehlerkorrektur bekam. Der Roman - das kann ich hier verraten - nimmt jedoch einen ganz anderen Lauf. Lesen!


  • Konsequenzen
    Eine Geschichte, wie sie sich in der virtuellen Realität auf Whough abspielte. Fiktion, aber dennoch nicht weit ab der Realität. Sie ist angelehnt an "Metamorphosis" jedoch nicht Bestandteil des Romans.


  • Antiamerikanismus
    Eine spöttelnde Darstellung der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft


  • 0815
    Wahre Begebenheit in einem Telekom-Shop


  • Lucky
    Traurige Geschichte um einen Husky namens Mistköter.


Traurige Liebe
(c) René Noack 2004

So ist ein Kater nun mal. Er kann nichts dafür, er ist ein unschuldiger, kleiner, verspielter, junger Kater, der einfach gerne das Fell gekrault haben will - und zwar von der Hand, die er kennt. Er macht sich keine Gedanken über das Warum und ob überhaupt. Er weiß nicht, daß es verboten sein könnte. Er genießt nur die sanfte Hand und die warme Stimme. Er sieht in die Augen der Wohltäterin und weiß nur eins - er mag sie. Er ist glücklich, denn er erinnert sich an alles, was sie ihm schon gegeben hat. Er wird es nie vergessen, denn er weiß auch, daß sein Leben schon einmal anders verlaufen ist. Er weiß, daß diese zarte Hand ihm ein Leben ermöglicht hat, was er sich bis dahin nie zu erträumen gewagt hat. Und er wird es ihr auf ewig danken. Er hat nicht viele Möglichkeiten und so dankt er ihr mit jedem Schnurren, daß er von sich gibt. Und sie hört ihm gerne zu. Sie liebt dieses Schnurren, denn es zeugt von Zuneigung und Zufriedenheit. Es bringt ihr die Ausgeglichenheit und die innere Ruhe, die sie im Streß des Alltags so sehr vermißt. Sein Körper, eng an den ihrigen angeschmiegt, gibt ihr Wärme, Geborgenheit und das nötige Gefühl der tiefen Liebe. So macht er sie glücklich. Es ist lange Zeit das Einzige, was sie hat. So sind sie beide ein Pärchen, daß durch Zufall zueinander gefunden hat und wie geschaffen füreinander scheint.

Trotzdem sie ihren Kater mag, trotzdem wartet sie auf etwas, was sie das ganz große Glück nennt. Etwas, daß sie glaubt von ihrem Kater nicht bekomen zu können. So sitzt sie auf ihrer sonnigen Terasse, krault ihren Kater und wartet. Sie wartet lange und trifft eines Tages auf den, der Ihr die Zukunft im Glück verspricht. Der Kater spürt die plötzliche Veränderung. Er merkt, daß die Hand nicht mehr so feinfühlig über das noch glänzende Fell streicht, er merkt auch, daß sie nicht mehr so oft für ihn da ist. Er weiß nur nicht warum. Was hat er getan, daß sie ihn immer seltener anschaut und mit ihm schmust? Er ist ratlos. Und so verstummt sein kehliges Schnurren, daß ihr einst so gut tat. So, wie sie sich mit ihrem neuen Partner immer näher kam, so sehr entfernte sie sich von ihrem alten Freund, dem Kater. Bis er eines Tages nicht mehr da war. Sie vermißte ihn nicht, denn sie hatte ihr ganz großes Glück gefunden. Doch er streunt seitdem einsam durch die Straßen und weint. Er hat alles verloren, was er geliebt hat. Er hatte sich nicht die Mühe gemacht, über die Zukunft nachzudenken und auf etwas zu warten was ihn vielleicht noch glücklicher machen würde. Er hatte kein Verlangen danach, denn er war glücklich. Nun liegt er auf der Parkbank, die er so oft mit ihr aufgesucht hatte, um die hellen Sonnenstrahlen und die warme Luft zu genießen. Er liegt da und ihn übermannt die Erinnerung an eine wunderschöne Zeit. Er fragt sich immer wieder aufs Neue, was er denn falsch gemacht habe, doch nichts kommt ihm in den Sinn und bringt Licht in das Dunkel seiner Gedanken. Niemand ist da, der ihm sagt, wie er zurück zu seinem kleinen Glück findet. So reißt eine Wunde in ihm auf, die man nicht sehen kann und verursacht Schmerzen, die man nicht beschreiben kann. Sein Körper füllt sich mit Gram, seine Seele mit Trauer, sein Fell wird stumpf.

Aber sein Leben geht weiter. Er beginnt zu verdrängen und lebt sein Leben weiter, wie es ihm vor die Füße fällt. Er nimmt, was er bekommen kann und lebt des Überlebens Willen. Irgendwann breitet sich ein Mantel des Vergessens über seinen Kummer und verdeckt ihn vor der Außenwelt. Ein Mantel, der zwar neugierige Blicke von außen abweist, aber die Kälte des Herzens einschließt, so daß kein Sonnenstrahl es zu erwärmen vermag. So bleibt er lange Zeit allein und unerreichbar. Bis er eines Tages auf eine Katze trifft, die ihm zärtlich das stumpfe Fell leckt. Sie kratzt vorsichtig, dann immer hartnäckiger an dem derben Mantel, der die Finsternis im Inneren seiner Seele gefangen hält. Sie kratzt, bis der Mantel Risse bekommt und sie Stück für Stück in seine innere Welt eindringen kann. Sie hatte schnell erkannt, daß in ihm ein Herz wohnt, daß sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt. Dinge, die ihm fehlen, die aber fest in ihr verwurzelt sind. Und sie ist bedingungslos bereit, ihm dies alles zurück zugeben.

Sie hat Glück. Nach langer Zeit blickt er endlich in die Augen, die ihm Hoffnung geben und sanft seinen Lebenswillen kitzeln. Er spürt, daß da mehr ist, als er anfangs bereit war zu zugeben. Er spürt wieder dieses feine Gefühl, was ihm vor Jahren soviel Wohlbehagen gegeben hat. Und er möchte diese Gefühl nicht noch einmal loslassen müssen. So ist er bereit, sich diesem neuen Leben hinzugeben. Seine Augen beginnen in einem längst verloschenem Glanz zu schimmern und erwidern die Liebe, die ihm entgegen strömt. Ja, es ist Liebe, was die beiden verbindet. Denn beide haben sie gespürt, daß der andere vom Schicksal ausgesandt wurde, um glücklich zu machen. Um altes Leiden auszulöschen und im Leben des anderen eine große Bereicherung zu sein.

Manchmal jedoch, und das besonders in den kalten Nächten des Frühjahres, dringt die ein oder andere Erinnerung hervor und drängelt sich mit Gewalt an die Oberfläche. Das sind die Momente, in denen der Kater wieder diesen stechenden Schmerz in der Brust verspührt. Dann zieht er sich in die Stille der Einsamkeit zurück und trauert um die unvergleichlich schönen und unvergeßlichen Zeiten in der Vergangenheit. Es packt ihn Sehnsucht und Verlangen. Es zerreißt ihm förmlich sein Herz, wenn er die Bilder von ihr wieder vor Augen hat. Er streckt mit tränengefüllten Augen seine Pfote aus und greift nach ihr, will sie berühren, will ihre Haut spühren, ihren Duft in sich aufsaugen. Doch stets greift er nur in die kalte, klare Luft der Nacht.

Er würde gern vergessen, doch das kann er nicht. Wenn er sie doch noch einmal sehen könnte. Wenn doch noch einmal seine Erinnerungen Wirklichkeit werden könnten... Ihr Körper, ihre Stimme und die sanften Hände. Er wäre der glücklichste Kater der Welt.

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Curan's Einsamkeit
(c) René Noack 2002

Ich saß auf einem Felsvorsprung und beobachtete die Umgebung. Rundherum hörte ich die seltsamsten Laute. Auf der Erde hätte ich sie mit Sicherheit irgendeinem Vogel zugeordnet, oder einem anderen Tier, daß gerade nach einem Partner ruft. Aber hier? 'Iaaauuhh!' Da, das war nach irdischen Maßstäben ein Pumaweibchen, daß nach seinem Jungen ruft. Ich habe es selbst erlebt, als so ein kleiner Frechdachs unbedingt mit mir spielen wollte. Obwohl ich ihn unbedingt loswerden wollte, blieb er mir auf den Fersen und wollte nichts anderes als mich zum Spielpartner. Hinter mir im Gebüsch ein Rascheln. Ich drehte mich erschrocken um und erkannte aber an den gelb schimmernden Augen, daß es sich um einen Feand'k handelt. Kleine, ungefährliche, aber sehr neugierige Wesen. Mittlerweile habe ich hier die fremdartigsten Wesen kennengelernt und keines entsprach auch nur im entferntesten unserer Vorstellung von einem Tier. Menschliche Maßstäbe waren eben hier nicht setzbar. Und der Unterschied zur Erde war auch, daß hier alle gleichwertig und gleichberechtigt sind. Der Kampf ums Überleben, das Recht des Stärkeren, daß hier umso mehr greift, läßt einfach keinen Platz für gegenseitige Unterdrückung und Ausbeutung. Hier zählen noch Werte wie Ehre und Aufopferung für die Familie, aber auch konsequentes Handeln. Dies habe ich selbst am eigenen Leib erfahren müssen. Ich schaute wieder in die Ferne und lauschte sehnsüchtig dem Heulen der Wölfe.

Kurz nachdem ich in den Clan aufgenommen wurde, hatte meine Ausbildung zu einem echten Crond'Llor begonnen. Dies ist jetzt fast 4 Jahre her. In den ersten Monaten hatte ich nicht einen Tag Ruhe gehabt. Entweder hatte ich die Technologie der Llor's zu erlernen, dann stand wieder Körpertraining auf dem Plan. Auch wenn viele Sachen spielerisch erlernt wurden, so waren sie für mich der reinste Horror. Die kleinen Welpen hatten sichtlich Ihre Freude am Balgen, Fangen und Niederringen. Für mich war es aber wahnsinnig anstrengend. Ich versuchte so gut wie möglich auszusehen, drückte mich aber hin und wieder, wenn es zu arg wurde. Dabei paßte ich aber immer auf, daß Daddy oder Mum nicht in der Nähe waren. Ich wollte sie einfach nicht enttäuschen. Wenn Sie dann zusahen, strengte ich mich doppelt an, damit sie auch richtig stolz auf mich sein können. Das ging gut bis ich eines Abends ohne ersichtlichen Grund von Daddy eine mächtigen Prankenhieb bekommen hatte.

"Curan, Du trainierst nicht hart genug", herrschte mich Daddy an und seine Augen glitzerten zum ersten mal richtig böse. Obwohl ich gelernt hatte, ihm in die Augen zu sehen, so fiel es mir diesmal schwer, seinen Blicken standzuhalten. Währenddessen suchte ich Hilfe in den Augen von Chracuta und Chrachra. "Ich, ich, ... es ist zu anstrengend für mich", stotterte ich kleinlaut. "Es sind über 3 Monate vergangen und ich habe nicht einen Tag ausruhen können. Ein Mensch...," Weiter kam ich nicht. Ich sah noch wie Mum und Daddy einen kurzen Blick austauschten, dann packte mich Dad mit seinen Zähnen und zerrte mich nach draußen. Dort schnappte er mich im Nacken, so wie er es am Tag meiner Ankunft schon getan hatte, und ich ahnte schlimmes. Ohne ein Wort zu sagen, rannte er in die Finsternis hinaus. Wehren konnte ich mich nicht, denn wie sollte ich das anfangen, während ich in seinem Maul hing wie ein Kattzenbaby?! So ging es im beängstigenden Tempo durch die Dunkelheit. Ich wußte schon nach wenigen Minuten nicht mehr, wo wir waren und es ging weiter über tiefe Gräben, Waldlichtungen und durchs Unterholz.

Plötzlich blieb er stehen und lies mich fallen. Hart schlug ich auf dem trockenen Boden auf. "Das ist dein neues Zuhause!" herrschte er mich an. "Aber Daddy, wieso? Was habe ich getan? Du kannst mich doch nicht allein hier zurück lassen?!" lies ich mit weinerlicher Stimme vernehmen. "Ich habe doch gar keine Erfahrung mit dem Leben auf Whough." Wólf baute sich mit seiner beeindruckenden Statur voll vor mir auf, zitternd sah ich zu ihm hoch und grollend gab er mir die Antwort, wobei seine gebleckten Zähne im Mondlicht glänzten. "Du bist ein Crond'Llor! Wir haben Dich in einem für uns sehr bedeutenden Ritual in den Clan integriert. Erweise Dich also eines solchen würdig! Wir haben Dich in den letzten Tagen beobachtet, um zu sehen, warum Du so wenig Fortschritte machst. Leider hast Du uns betrogen, indem Du vortäuschtest, stets mit ganzer Kraft zu trainieren." Das können wir nicht dulden, Du entehrst unseren Clan!" Während er dies sprach wuchs seine Stimme zu einem Donnergrollen. "Uns blieb keine andere Wahl, als Dich zu verstoßen!"

Diese Worte halten noch lange in mir nach. Ich habe die Ehre der Crond'Llori beschmutzt. Ich, als Neuankömmling wurde wohlgesonnen in den Familienclan aufgenommen und ich habe sie alle enttäuscht. Jetzt, wo mir dies so sonnenklar vor Augen stand, war es bereits zu spät. Ich war ein Ausgestoßener, auf mich allein gestellt und ohne jegliche Chance zu Überleben. Doch dies wurde mir erst viel später bewußt. Im Moment dachte ich nur an die Wärme und Zuneigung von Mom, das schelmische Lächeln von Chracuta, wenn er wieder was im Schilde führte, an seinen Zwillingsbruder, den ich schon des öfteren überrascht habe und er jedes Mal diesen verständnislosen "Was passiert hier"- Blick aufsetzte. Und ich dachte an Daddy, den großen starken Wólf, der mich von anfang an in sein Herz geschlossen hatte und sich so sehr für meine Integration einsetzte. Ich habe sie alle enttäuscht und dabei zutiefst verletzt. Mir brannte das Herz und ich schluckte heftig um nicht in Tränen auszubrechen. Das hätte wohl alles noch schlimmer gemacht. "Es t.., tut mir leid", war alles was ich heraus brachte und es kam aus tiefsten Herzen. Ich schaute zu Daddy hoch und versuchte fest und überzeugend in seine Augen zu schauen. Er wußte wohl, wie sehr ich nun litt und wie ernst es mir war. Aber was sollte er tun? Er war das ranghöchste Mitglied im Rudel - der Alpha - und wenn er jetzt Schwäche zeigte, wird er genauso verstoßen wie ich jetzt. "Shri'ik! - "Geh!" und dies war endgültig.

Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich dieser Situation hinzugeben und auf meinen Tod zu warten. Hoffnung, hier auch nur eine Nacht zu Überleben, machte ich mir keine. So drehte ich mich um und schlich in die Dunkelheit. Ich drehte mich auch nicht mehr um, denn ich wollte Daddy nicht in die Augen sehen müssen. Es hätte uns beiden unheimlich weh getan.

Ich suchte als erstes eine Art Unterschlupf um wenigstens vor der Kälte etwas Schutz zu haben. In der Ferne hörte ich das Heulen von Daddy. Es war ein Abschiedsgruß und es klang tiefe Trauer und Enttäuschung mit. Die Antwort blieb ich ihm schuldig. Ich brachte keinen Ton über die Lippen.

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Konsequenzen
(c) René Noack 2003

*Hooooooooouuuuuuuuuul*
Ein Ruf hallt durch den Frühling auf Whough. Langgezogen und stark. Danach tiefe Stille. Kurze Zeit darauf kommen aus der Ferne unzählige Antworten. Die Wölfe sind erwacht. Sie bergrüßen alle den Rufer, ihre Gefährten und auch den lauen Frühlingstag. Der lange Winter hat es vielen nicht leicht gemacht, sich und ihre Familien mit ausreichend Nahrung zu versorgen. Einige haben diese besonders harte Jahreszeit nicht überlebt. Für die anderen zeigt sich die Natur nun von einer außergewöhnlich freundlichen Seite.

Shirárch stapft durch die dichten, frischen Wälder seiner Heimat und genießt die warme Luft des späten Frühlings. Er beobachtet belustigt die bunten Schmetterlinge, die ihm um die Nase flattern, gerade so, als wollten sie ihm sagen: "Hallo Freund, komm spiel mit uns!" Shirárch scheint zu verstehen, denn er hascht noch etwas unbeholfen nach den Flattertieren. Und es macht ihm Spaß. Wie ein Jungtier purzelt er über die taunasse Wiese. Er schnappt spielerisch nach den farbigen Frühlingsboten und erwischt sogar hin und wieder einen an den Flügeln. In ungewohnlich sanfter Art schüttelt er den Flügler kurz durch um anzudeuten, daß er gewonnen hat und läßt ihn wieder frei. Benommen von der Attacke taumelt dieser kurz durch die Luft und stürzt sich dann erneut in das spielerische Abenteur mit dem Jung-Crond'Llor.

Shirárch ist glücklich. Letztes Jahr hat er eine Partnerin gefunden, die zu Hause auf ihn wartet. Den harten Winter haben beide gut überstanden, was sicherlich an ihrer außergewöhnlich starken Widerstandskraft und Kondition liegt. Kein Beuteschlag in der weißen Zeit ging ins Leere. Durch die erfolgreichen Jagden und die üppige Beute waren sie auch in der Lage, andere Mitglieder des Rudels mit zu versorgen. Nun ist dies jedoch nicht mehr nötig. Vor zwei Tagen war Pattárchta bei Ihnen um sich für diese Selbstlosigkeit zu bedanken. Er lud sie in seine Höhle ein, damit sie seine Jungen kennenlernen konnten. Eine große Ehre und das wußte Shirárch, denn grundsätzlich durfte niemand in die Nähe der Welpen. In 4 Wochen wäre es soweit und Pattárchtas Gefährtin wird hoffentlich 6 gesunde Welpen zur Welt bringen. Ihren Namen hat Shirárch vergessen. "Ich muß heut abend unbedingt mit Pat darüber reden" - denkt er und tatzt nach einem blauen Schmetterling. "Ich kann nicht beim Rudelführer auftauchen und den Namen seiner Frau nicht kennen!". "Ha, erwischt!"

Trotzdem es Shirárch viel Freude bereitet, hat er nicht vergessen, warum er sich eigentlich auf diese verträumte Lichtung zurückgezogen hat. Er hat ein Problem und er wollte sich in Ruhe Gedanken darüber machen, wie er es seinem Alpha beibringen soll. Er setzt sich auf einen Stein und auch die bunten Spielgefährten lassen sich wie auf Kommando auf die Blüten der umstehenden Blumen nieder. Gierig trinken sie den süßen Nektar. Das Spiel war doch sehr anstrengend für die kleinen Flattertiere. Shirárch grübelt; er und Pat haben einen großen Fehler gemacht, für den sie nun gerade stehen müssen. Der Winter war hart. Für sie war es der erste hier in dieser eiskalten Region. Beide kannten sich noch nicht lange, aber ihre Sympathie füreinander war nie zu übersehen. So war es fast unvermeidlich, was in jener Nacht geschah. Sie liebten sich, wie es nur die Alphas durften. In der Hitze der Nacht vergaßen sie jede Konsequenz, die sich aus ihrem Verhalten ergeben würde. Dabei spielte es keine Rolle, daß sie durch ihre unermüdliche Hilfe vielen Mitgliedern das Leben gerettet haben. Die Regeln sind hart, aber sie sind nötig, um ein gemeinsames Rudelleben zu ermöglichen. Und Jungtiere dürfen nur die Alphas gebären. Im schlimmsten Fall werden ihre Jungen getötet und sie aus dem Rudel verstossen. Soweit will es Shirárch aber nicht kommen lassen. Dafür hat er zu viele Freunde gefunden. Und er liebt das Rudel.

"Ich werde mit Pattárchta ein persönliches Gespräch führen müssen. Ich werde nicht drum herum kommen! Es ist besser, wenn ich es gleich tun werde, als zu warten, bis die anderen sehen, daß meine Pat trächtig ist. Auch auf die Gefahr hin, daß wir gleich verstossen werden. Es ist Frühling, wir sind in der Lage uns zu versorgen - sogar noch mehr, die Gegenden habe ich in den letzten Monaten ausgiebig erforscht, es gibt genügend Plätze, wo wir uns niederlassen können. Auf keinen Fall lasse ich es zu, daß sie meine Welpen töten! Vielleicht geht das Gespräch auch anders aus. Ich werde heute Nacht mit Pattárchta sprechen!" Mit diesem Vorsatz macht er sich auf den Heimweg....

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Antiamerikanismus
(c) René Noack 2002

Bitte Zurückhaltung üben mit Kritik *.....* Ich erkenne hier klar antiamerikanische Tendenzen. Liebe Leute, daß könnt ihr doch nicht machen! Amerika ist unser innig verbundener Freund! Und ihr setzt diese Freundschaft durch Eure Denkweisen einer Gefahr aus, die noch nicht abschätzbar ist. Unter Umsttänden stuft man Euch noch als Terroristen ein und ich darf dann das Forum allein beposten, weil Ihr alle beim CIA und dem FBI zum Verhör sitzt. Also bitte, laßt es!

Nun gut. Es gibt vielleicht ein paar Punkte, die bei näherer Betrachtungsweise noch einmal des Nachdenkens bedürfen. Aber wenn zum Beispiel der Irak, wie Khani es dargelegt hat, bereits über die Möglichkeiten verfügt Atombomben zu bauen oder bereits welche besitzt, dann muß er ausgeräuchert werden. Schließlich stellt er ja dann doch eine ernsthafte Bedrohung für den Weltfrieden dar. Indien und Pakistan haben die Amerikaner ja auch vor ein paar Monaten besetzt, die Regierungen abgesägt und die Atomwaffen zerstört, als diese sich um die Kashmir-Region gekloppt hatten und mit dem Einsatz von Atomwaffen drohten... oder doch nicht? *grübel* Uuups.

Aber überlegt mal: Wenn wir die Amerikaner nicht hätten, dann gäbe es heut auch kein wiedervereinigtes Deutschland. Denn diese Reagen's und Bush's hatten sich ja mit besonderem Eifer in die Beendigung des Kalten Krieges gestürzt und sich für ein friedliches Europa engagiert - im Interesse des Weltfriedens natürlich. Von den Russen wäre eine solche Initiative nie ausgegangen. Oder war es doch anders rum? *grübel* Hoppala.

Trotzdem, in Sachen friedlicher Konfliktlösung sind uns unsere amerikanischen Freunde immer mit großem Beispiel vorangegangen... Panama, Vietnam, Korea, Kuba, Afganistan, in der Iran-Irak-Krise, Kuweit... Hach ja, da können wir echt noch viel lernen. Vor allem, daß man Konflikte am besten auf fremden Territorien austrägt. Niemals auf dem eigenen... Und wie man einfachsten sein altes Waffenarsenal noch sinnvoll und ohne großes Risiko "unter die Leute bringt" Ei vorbibsch, jetz komm'sch ganz vom Thema ab. Wir sind doch eigentlich Freunde!

Na gut, kommen wir mal zu einem anderen Punkt. Ich höre immer wieder, daß Amerika die Terroristen unterstützt! Na also bitte, was soll denn das. Terrorist ist doch nur der, der auf der anderen Seite steht. Und Seiten kann man wechseln. So wie es die bösen, undankbaren Taliban gemacht haben. Werden völlig selbstlos unterstützt, um einen Kampf gegen einen bösen großen roten Nachbarn zu führen und zu gewinnen und wenden sich dann gegen die fütternde Hand. Nee, nee. Oder woher sollte Amerika wissen, daß der Irak plötzlich zum Terrorstaat wird, nachdem man mit dessen Hilfe den Iran platt gemacht hat? Man war halt der Meinung, daß man besser Waffen liefert, anstatt was zu Beißen oder eine Matratze zum Schlafen. Auf keinen Fall kann man Amerika für seine Absichten verurteilen, da es mit Sicherheit nur das beste wollte.

Ich find es auch lobenswert und wichtig zu erwähnen, wie uns unsere Freunde im Marketing unterstützen. Wir alle wissen ja, daß der Deutsche im allgemeinen blöd ist und nichts vom Vermarkten versteht. Allerdings isser eben bei der Forschung und Entwicklung immer vorne mit dabei. Nun müssen diese Erkenntnisse aber auch irgendwie an den Markt gebracht werden. Und da der Deutsche nicht nur blöd, sondern auch stur ist, und einfach nicht einsehen will, daß er für den Rest zu dämlich ist, müssen die Amerikaner eben helfend unter die Arme greifen und so dem Deutschen zu seinem Glück zwingen - zur Not eben auch mit unkonventionellen Methoden. Das dann eine Erfindung von deutschen Unternehmern plötzlich unter "Made in USA" oder "(TM) Amerika" auf den Markt kommt, ist halt.. na ja, wie soll ich sagen... is halt so. Der Deutsche kann froh sein, daß er die komplette Forschung finanzieren durfte - eine Ehre ist das nämlich! Für Amerika arbeiten zu dürfen, ohne entlohnt zu werden... übrigens ein interessantes Kapitel in der Geschichte Amerikas. Hmm, wie ich nur darauf wieder gekommen bin? Ach egal. Eigentlich wollte ich doch nur feststellen, daß wir dem USA-isten freundschaftlich verbunden sein sollten, für die großen Taten, die sie vollbracht haben und noch heute vollbringen.

Zusammenfassend muß man sagen, daß Amerika ein wirklich schöner Freund ist, auf den man sich verlasen kann. Immer hilfsbereit, zuvorkommend, lieb, nett und na ja. Also bitte keine Meckerei gegen unsere Freunde.

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0815
(c) René Noack 2002

0815 kann vieles bedeuten. Zum Beispiel kann es Bestandteil einer Telefonnummer sein. Oder es ist eine Längenangabe ohne Maßeinheit. Oder auch die Zeitanzeige einer Digitaluhr, bei der Doppelpunkt ausgefallen ist. Ja, es gibt so viele Möglichkeiten. Und die deutsche Telekom sucht sich ausgerechnet die Bedeutung heraus, welche einen eher negativen Beigeschmack erzeugt. Wie ich dazu komme? Will ich Euch erzählen.

Also: Da bin ich doch letzte Woche wegen meines defekten Telefonanschlusses in den nächsten Telekom-Shop. Und ja, man versprach mir Besserung und Reperatur des selbigen. Schön und gut. Bis hierher. Denn nachdem der eigentliche Grund meines Besuches abgeklärt war, fragte mich doch der Verkäufer, was ich für einen Internetanschluß hätte und ob ich damit zufrieden wäre.

DSL und ja.

Seine nächste Frage war, ob ich denn gerne noch schneller im Net surfen wollte, als mit DSL. Hellhörig geworden antwortete ich artig "Ja!" Und er stellte mir ein völlig neues Angebotspaket der Deutschen Telekom vor, in dem ein Internetanschluß enthalten ist, daß die doppelte DSL-Geschwindigkeit versprach. Und noch etwas: danach zählte er mir einige Servicepunkte auf, die mir den den Umstieg schmackhafter machen sollten. "Alles in allem", so schloß er, " erhalten sie einen weitaus besseren Service als der 0815 - Kunde".

Ups, schluck. "0815-Kunde? und fragender Blick in Richtung des netten Herren hinterm Thresen. "Ja, sie wissen schon, jeder herkömmliche Telefonbesitzer mit den Standarttarifen"

A so! *verständnisvolles Nicken... und wirre Gedanken im Kopf*

Später stellte sich heraus: da ich meinen DSL-Anschluß bei 1und1 hab, wäre es dann doch nicht möglich und so blieb es dabei. So ging ich nach Hause und war froh, das wenigstens mit meinem Telefonanschluß geklärt zu haben.

Das Ende der kleinen Geschichte: telefonieren kann ich Gott sei Dank noch, das nervtötende Knacken und Rauschen in der Leitung ist allerdings immer noch nicht weg... so muß ich - mittlerweile hörgeschädigt - schmerzlich feststellen: ICH BIN EIN 0815-Kunde! Und ich weiß was es bedeuted, 0815- zu sein... *schnief*

(Hinweis: Leute, daß is kein Witz! Das is mir so im Telekom-Shop Villingen passiert.)

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Lucky
(c) René Noack 2004

Martin fuhr schon seit Stunden auf der Autobahn Richtung Norden. Er war in Eile, denn seine Fracht mußte unbedingt morgen Früh im Hafen von Hamburg angekommen sein. Bisher lief alles recht gut; keine Staus, keine Kontrollen durch die blauen Jungs, nur das Wetter, das hielt ihn auf. Nun hatte er Kassel fast erreicht und eine Pause war nötig. Schließlich wollte er den Ärger wegen den Lenkzeiten vermeiden. Es gibt wichtigeres im Leben, als sich mit der Polizei herumzuschlagen. Mit dieser Meinung steht er allerdings bei seinem Chef in keinem guten Licht. Für den gilt nur das Geschäft. Der Truck muß rollen, sonst bringt er kein Geld. Daß er noch in dieser Firma arbeitet, liegt allein daran, daß er zuverlässig ist. Und er hat Erfahrungen auf dem Gebiet der Spezialtransporte, die ihn unentbehrlich machen. Kein Wunder, ist er doch nun seit fast 30 Jahren auf der Straße unterwegs. Allerdings, denkt er, ist das langsam genug. Es macht keinen Spaß mehr. Seine Familie sieht er viel zu wenig, sein Sohn hatte gestern Geburtstag und er war wieder nicht dabei. Lisa, seine Frau, war ihm deswegen sehr böse. Aber was sollte er tun? Er verdient mit seinem Job das Geld, was seine Familie zum Leben braucht. Es war gutes Geld, aber was hatte es ihm gebracht? Kinder, die er kaum sieht, eine Frau die ihn für seinen Job haßt und ein ständiges Leben auf der Straße. Das muß sich ändern. Es würde sich ändern. Nur hätte Martin nie gedacht, wie schnell sowas gehen kann.

Heute war kein guter Tag zum Fahren. Regen wie er ihn schon lang nicht mehr erlebt hat. Die Scheibenwischer schaffen es kaum, die Wassermassen von der Scheibe zu drängen. Der Fahrer vor ihm scheint echte Probleme zu haben, denn er fährt mit seinem BMW wirklich sehr langsam. 60km/h, merkwürdig. Normalerweise gibt es diese Autos doch nur auf der Überholspur. Zumal das ein Prolo-Schlitten war, wie er im Buche steht. Kasseler Kennzeichen, KS-A 1, bestimmt gekauft. Spoiler wohin das Auge auch blickt, verbreitert und natürlich tiefer gelegt. Martin hatte ein Auge für sowas. Breitreifen, tja mein Freund, damit bist Du bei solchem Regen echt aufgeschmissen. Er mußte innerlich grinsen. Regen, ausgerechnet Regen hält diese Heizer auf. "Ha! Geschieht euch recht!" Martin hatte die Nase voll von dieser Schleichfahrt. Schließlich war es nicht sein Auto, was für diesen Regen nicht geeignet war. Er setzte den Blinker und gab Gas. Die 520PS seines neuen MAN packten zu und er schloß rasch auf den Wagen auf. Ein kurzer Blick in den Rückspiegel zeigte ihm freie Fahrt. Als er gerade ausscherte, beschleunigte der BMW ebenfalls seine Fahrt. "Was zum Teufel soll denn das jetzt?" Er kannte diese Spielchen. Man hatte schon oft versucht, ihn auf diese Weise zu ärgern. Aber Martin hatte den Satz gerade zu Ende gesprochen, als das linke Fenster des BMW aufging. Was nun geschah war für Martin unbegreiflich. Wie in Zeitlupe nahm er jedoch jedes noch so kleine Detail wahr. Ein Sack wurde heraus geschoben. Und dieser Sack zappelte! "Verflucht! Die wollen jemanden umbringen!" Martin nahm den Fuß vom Gas und der Abstand zum Vorderwagen wurde größer. Doch er konnte nicht verhindern, daß der Sack vollends aus dem Fenster geworfen wurde. Er landete hart auf den Asphalt, überschlug sich mehrmals und blieb schließlich auf der 2. Spur liegen. Martin stieg hart in die Bremse. Er trat das Pedal bis zum Boden durch, aber 42 Tonnen brauchen viel Zeit. "Verdammt! Bleib stehen, du blöde Kiste! Halt an!" Quietschend zogen die Reifen über den nassen Asphalt. Qualm und Gischt stiegen auf. Martin zog das Lenkrad herum in der Hoffnung, dem Sack ausweichen zu können. Doch der Sattelauflieger interessierte sich dafür wenig. Er drohte über die Hinterachse zu schieben und den LKW umzukippen. Martin bemerkte fast zu spät sein Dilemma. Er löste kurz die Bremse und steuerte gegen. Schlingernd kam der Truck wieder in die Spur zurück und damit der Sack wieder ins Blickfeld des Truckers. "Himmel noch mal! Halt doch endlich an!" Die Bremsen hatten schon wieder voll gegriffen, so daß der LKW bedeutend an Fahrt verlor. Doch für das arme Wesen da auf der Straße würde es nicht mehr reichen, das wußte Martin lange bevor der Sack unter der Zugmaschine verschwand...

Es würde der letzte Tag seines armseligen Lebens werden. Das wußte Mistköter zwar nicht, aber das hätte auch nichts geändert, wenn er es wüßte. Vielleicht hätte sich Mistköter wenigstens einmal gefreut während seiner traurigen Zeit in diesem Haus. So blieb alles beim alten. Es blieb, wie es die letzten 2 Jahre gewesen war. Er erhob sich von seinem Schlafplatz und trottete an seine Freßschüssel. Wieder nichts drin. Weiter in die Küche. Hier stinkt es für eine Hundenase wie immer widerlich. Er schnüffelte am Abfalleimer und fand eine alte Wurstpelle, von der er die Reste ableckte. Im Wohnzimmer fand er noch ein paar Chips von der letzten Fete. Zu trinken gab es schales Bier, was er aus einer Flasche schlabberte, die er eben mit der Nase umgeschubst hatte. So ging das die ganze Woche. Bier, Chips und wieder Bier. Seine letzte große Mahlzeit war eine kalte Pizza, die vor zwei Tagen bei der Party liegen gelassen wurde. Die schmeckte unter diesen Umständen gar nicht mal so schlecht. Auch die vielen Menschen, die da waren, sind auf ihre Art richtig nett gewesen. Sie tätschelten ihn und knufften ihn, was im Gegensatz zum Alltag einmal nicht weh tat. Er hatte den Rest des Abends auf dem Schoß einer Frau gelegen, die ihm sein zerzaustes Fell gekrault hatte. Ja, das tat gut. Das war mal eine Abwechslung, die sein Körper dringend nötig hatte. Was die Dame nicht sah, waren die vielen blauen Flecken unter dem Fell. Sie blieben unbemerkt, wie auch die angeschwollene Pfote, die wegen einer vereiterten Schnittwunde nicht abheilte. Er zog sie sich zu, als sein Besitzer ihn mit einem Glas bewarf, nur weil er es sich auf dem guten Leder-Sofa bequem gemacht hatte. Keiner bemerkte es, wie sehr er litt. So blieb er auch an jenem Abend wieder im Haus zurück, während Herr mit den Damen im Arm nach draußen verschwand. Seitdem war Herr nur noch selten zu sehen. Und das war gar nicht mal schlecht. So bekam er wenigstens keine Schläge. Ja, diese Hiebe. Mistköter wußte nie, warum er sie bekam. Manchmal beim Fressen, manchmal beim Spielen, wenn er aus Versehen zubiß, oftmals während er schlief und Herr nachts nach Hause kam. Er war froh, wenn er nicht kam. So wie heute. Langsam und hungrig trottete Mistköter zu seinem Platz zurück. Er legte sich und verfiel in einen leichten Dämmerschlaf. Er träumte. Von seiner Kindheit und einer schönen Zeit, als er noch bei der jungen Familie lebte. Wieso haben sie ihn nur abgegeben? Wieso konnte er nicht ein glückliches Leben haben? Keine Antwort. Statt dessen flog die Türe im Hausflur auf und Herr kam herein. Mistköter erhob sich und lief in den Korridor. Leicht wedelte er mit der Rute, um eine Begrüßung anzudeuten. In Wirklichkeit aber hoffte er, daß er endlich etwas zu fressen bekam. Leise jaulte er, doch Herr schob in nur achtlos beiseite. "Hey Mistköter, bettel hier nich so rum! Hast schon genug gekriegt. Du frißt mir noch mal die Haare vom Kopf, Mistköter!" Als Herr in das Wohnzimmer kam und sich auf das Sofa setzte, bemerkte er die umgekippte Bierflasche. "Oh Du verdammter Mistköter! Du hast meinen guten Teppich ruiniert! Na warte, dafür wirst Du büßen!" Die Tracht Prügel die Mistköter jetzt bekam, stellte alles in den Schatten, was er bis eben erlebt hatte. Es gab nichts, was er dagegen tun konnte, keine Fluchtmöglichkeit. Angekettet mußte er die Schläge hinnehmen, wie sie kamen. Ach wie sehr wünschte er sich endlich das Ende herbei. Das Ende von seinem Leid und dem ganzen Elend, in das er vor zwei Jahren hinein gerutscht war. Er flehte und jaulte und ein Gott hatte Erbarmen. Die Schläge hörten plötzlich auf. Völlig erschöpft und unter großen Schmerzen sank Mistköter auf seine Matte. So sah er nicht, wie Herr mit einem Sack zurück kam. Zu spät bemerkte er das nahende Unheil. Als es dunkel um ihn herum wurde, hatte er sich bereits aufgegeben. Er merkte nicht einmal mehr, wie er zum Auto geschleift wurde...

Martin hörte den Schlag. Nach weiteren 15 Metern blieb der Sattelzug endlich stehen. Martin spürte eine deutliche Erschütterung seines Trucks und wußte, daß ihm gerade hinten einer drauf gefahren war. Doch dies interessierte ihn jetzt herzlich wenig. Das war das Problem des anderen. Selber schuld, wenn er so dicht auffährt! Er atmete noch einmal tief durch und sprang dann aus dem warmen Führerhaus in den Regen. Ein kurzer Blick unter die Frontschürze des Trucks zeigt ihm, daß er den Sack getroffen haben muß. Ein Stück aus der Plastik ist bei dem Aufprall heraus gebrochen worden. "Oh nein, bitte laß dies nicht wahr sein...", stöhnte Martin und lief den LKW entlang, immer einen Blick unter der Maschine. Seine Klamotten waren selbst nach den 2 Minuten hier draußen vollkommen durchnäßt, so sehr regnete es. Da, unter den Hinterachsen des Sattels erblickte er das Unglückswesen. Der Sack war kleiner als er anfangs aussah. Aber er bewegte sich nicht mehr. So schnell es irgendwie ging kroch Martin unter den Auflieger und zog ihn hervor. Er war zugeschnürt und so fest zugeknotet, daß Martin ein Messer brauchte, um ihn aufzuschneiden. Er rannte zur Fahrerkabine vor und kam mit einem Dolch zurück. Vorsichtig durchtrennte er die Schnüre und riß den Stoff auseinander. Er erblickte eine Kreatur die vor Angst und Schmerzen zitterte. "Du meine Güte, wie konnte man Dir nur sowas antun! Wer tut so etwas?" Martin zog den Hund aus dem Sack und trug ihn zum Führerhaus. Eigentlich muß das ein sehr schöner Hund sein. So weit seine Kenntnisse reichen, mußte er hier einen Husky vor sich haben. Robuste Hunde, die gerne Laufen und nicht so schnell klein zu kriegen sind. Dieser hier muß Schlimmes durchgemacht haben. Plötzlich wurde er von hinten angebrüllt: "Sagen Sie, sind Sie wahnsinnig?!" Das mußte derjenige sein, welcher ihm hinten drauf gefahren war. Martin ging weiter, bis er grob herum gerissen wurde. "Hey, ich rede mit Ihnen! Sind sie auch noch taub?!" Martin blieb ruhig: "Bitte lassen Sie mich in Ruhe, um Ihre Angelegenheit wird sich die Polizei kümmern. Ich habe hier einen verletzten Hund. Das sehen Sie doch." Er bettete den Husky im Führerhaus auf weiche Tücher. Zwei traurige, blaue Augen schauten ihn an. Mistköter versuchte sich zu bewegen, doch seine Hinterläufe waren von dem Schlag schwer verletzt worden. So hob er nur mühsam den Kopf und leckte dem Mann dankbar über das Gesicht. Wärme spürte er, trotz der Kälte, die durch seinen Körper kroch. Wärme, wie er sie schon lange nicht mehr bekommen hatte. Und sie gab ihm Kraft zurück. Kraft um gegen die Kälte anzukämpfen, ehe sie sein Herz erreichten konnte. Martin packte eines seiner Wurstbrote aus und gab sie dem Hund zu fressen. Gierig schlang jener das Brot hinunter, während es von draußen weiter brüllte: "Sagen sie bloß, Sie haben wegen diesem blöden Köter eine Vollbremsung gemacht. Ich werde sie anzeigen! Sie sind ja eine Gefahr für Leib und Leben!". Martin kümmerte das Geschwätz wenig. Schließlich hatte er gerade ein Leben gerettet. "Ich werde Dich ‚Lucky' nennen. Mann, Du hast wirklich Glück gehabt, mein Freund!" Lucky wedelte als Zustimmung sanft mit der Rute. Und für beide begann heute eine neue Zeit. Ausgerechnet an einem solch verregneten Tag.

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(c) Shirárch 04.07.2004